Veranstaltungskalender

Großes Theater auf kleiner Bühne – MARIONETTEN aus Böhmen

Großes Theater auf kleiner Bühne – MARIONETTEN aus Böhmen
Beschreibung:

Schon seit vielen Jahrhunderten sind die Menschen von bewegten Gliederpuppen fasziniert. Die magische Ausstrahlung des Marionettenspiels fesselt mit grotesker Komik und herzhaftem Humor bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Anita und Hartmut Naefe aus Viechtach sind dieser Magie schon seit vielen Jahrzehnten verfallen. Besonders Marionetten aus der berühmten böhmischen Marionettenspielertradition begeistern sie. Gesammelt haben die beiden aber auch bayerische, sächsische, französische und überseeische Marionetten. In einer facettenreichen Sonderschau zeigen sie einen Querschnitt ihrer außerordentlichen Sammlung und geben Einblicke in die Geschichte des Marionettenspiels.
Die Ausstellung entführt die Besucher zurück in eine Zeit, als Fernsehen noch unbekannt und „Großes Theater auf kleiner Bühne“ als Wandermarionettenspiel weit verbreitet war. Die ersten verlässlichen Dokumente über das Marionettentheater tauchten um 1650 auf. In der Folgezeit sorgten Komödiantentruppen aus Italien, Frankreich und England für zunehmende Beliebtheit. Bei Aufführungen in den Wirtshaussälen übernahmen sie Handlungen aus Klassikern der Literatur und der Opernwelt. In der volkstümlichen Umsetzung wandelte sich das Ernste und Tragische zur Ironie und Verspottung der Herrschaft. Bis ins 20. Jahrhundert und über Grenzen hinweg erfreuten die Wandermarionettenspieler ein großes Publikum. Mit Wagen und Pferdegespann reisten sie bis ins kleinste Dorf. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts tauchten zunehmend auch in tschechischer Sprache spielende Wanderpuppenspieler auf. Die fahrenden Künstler spielten in erster Linie für Erwachsene und ihr Repertoire setzte sich aus dramatischen Stoffen zusammen, die ursprünglich für menschliche Schauspieler geschrieben worden waren.  Als Quelle dienten die Klassiker der Literatur und der Oper sowie der Comedia dell`arte. Zu den ältesten und beliebtesten Stücken zählen „Doktor Faustus“ und „Don Juan“. Der Besuch von Marionettentheatern gehörte als fester Bestandteil zu den Jahrmärkten und Volksfesten in der Stadt und auf dem Land. Nicht selten geriet das Spiel zum sozialkritischen Spott gegen Arroganz und Dekadenz der Herrschenden, denen man die Lebensweise des einfachen Volkes gegenüberstellte. Märchenstoffe, wie sie heute auf dem Spielplan der Marionettenbühnen stehen, wurden damals verschmäht. Das Figurenrepertoire umfasst die klassischen Charaktere wie Königin und König, Hofnarr, Großvater und Großmutter, aber auch mystische Figuren wie Tod, Teufel und Zauberer. Das böhmische Puppentheater hatte schon bald seine Serienhelden. Zum einen den Kasperl, der sich allein durch sein loses Mundwerk von den übrigen Figuren absetzte, daneben Vater Spejbl und Sohn Hurvinek, Erfindungen des Puppenspielers Josef Skupa, die klassische Generationskonflikte miteinander austrugen.  Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wandelte sich das Puppentheater und wandte sich mit seinen Programmen auch an junge Zuschauer. Der Kasperl entwickelte sich dabei vom grotesken Spaßmacher zum lieben, etwas vorlauten kleinen Jungen. Die Ausstellung zeigt viele historische Marionetten sowie Originalbühnen und Requisiten aus der Sammlung von Anita und Hartmut Naefe. In der Zeit zwischen 1850 und 1950 entstanden, beweisen die bis zu 80 cm großen Puppen und kompletten kleinen Theaterbühnen die Vielseitigkeit der böhmischen Marionettenkunst. Von Holzschnitzern wurden die Puppen anfangs als Unikate in aufwendiger Handarbeit gefertigt und mit fantasievollen Kostümen versehen. Große Bühnen wurden meist in Gasthöfen oder im Freien aufgebaut, die mittlere Bühnengröße diente als Tischbühne für pädagogische Stücke, die überwiegend in Schulen zur Aufführung kamen. Die kleinen Privattheater hatten mit ihren zierlichen Figuren Platz bei begüterten Familien.

 

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museum Dingolfing, Dienstag - Donnerstag von 13 - 17 Uhr sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10 - 17 Uhr geöffnet. Des Weiteren ist das Museum am 25./26. Dezember sowie am 1. und 6. Januar für Besucher bei freiem Eintritt geöffnet. Hartmut Naefe wird am 6. Januar 2020 um 14 Uhr durch die sehenswerte Ausstellung führen.

 

 

Termin: – 
Kategorie:Ausstellungen
Ort:Herzogsburg
Obere Stadt 15
84130 Dingolfing
Veranstalter:Stadt Dingolfing
Anita und Hartmut Naefe

drucken nach oben