Der Marienplatz: Umgestaltungsarbeiten von März bis November

Foto Marienplatz herbstlich

Ganz unter der Überschrift „Betroffene zu Beteiligten machen“ hat der Stadtrat im Mai 2015 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Aufgabe es war und nach wie vor ist, sich mit der Neugestaltung des Marienplatzes auseinanderzusetzen. Vertreter der Bürger, Kunden, Einzelhändler, Anwohner, Gastronomie und der Dienstleister saßen mit Mitgliedern der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung zusammen und haben seit der ersten Sitzung am 08. Juli 2015 die Planungsziele erarbeitet, das Vergabeverfahren begleitet, die Auswahl der eingereichten Planungen bewertet und Überarbeitungsaufträge formuliert. Im Ergebnis konnte der Stadtrat in seiner abschließenden Entscheidung dieser fundierten und abgestimmten Planungsvorstellung deutlich mehrheitlich zustimmen. Die Bürgerbeteiligungsgruppe wird auch die weiteren Planungs- und Realisierungsschritte begleiten und dem zuständigen städtischen Entscheidungsgremium Vorschläge zur Gestaltung und Materialauswahl vorlegen. Diese Maßnahme ist die letzte der im Jahr 1993 mit der Umgestaltung der Bruckstraße begonnenen Altstadtsanierung, wobei derartige Unternehmungen natürlich nie vollständig beendet sind, da es sich um einen stetigen Prozess der Weiterentwicklung von Handel, Wohnen, Gewerbe und Gastronomie handelt, die voneinander profitieren und miteinander wachsen.

Neue Denk- und Planungsansätze kennzeichnen das im September vom Stadtrat auf Vorschlag der Beteiligungsgruppe beschlossene Konzept der Neugestaltung. Attraktive Aufenthalts- und Verweilzonen werden ebenso geschaffen wie ein großzügiger Veranstaltungsbereich. Ferner wird der Verkehr durch die künftige Einbahnstraßenregelung reduziert. Kurzzeitparkplätze für die Kunden des Einzelhandels werden nach wie vor angeboten, aber ohne dass diese Parkplätze den Platz beherrschen. Barrierefrei, fahrradfreundlich und erlebbarer – so wird sich der neue Marienplatz zukünftig zeigen.

Im Einzelnen werden die wesentlichen Entscheidungen nun kurz vorgestellt und erläutert.

  • Der Platz wird auch künftig wie bisher sechs Bäume aufweisen können. Anders angeordnet gliedern sie den Platz neu, nehmen etwas die Länge, bieten aber vor allem für Veranstaltungen deutlich bessere Voraussetzungen. Der Blick auf die Veranstaltungsbühne wird auf jeden Fall in Zukunft beim Dingfest, aber auch bei vielen kleineren Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Kulturmobil und dem Altstadtfest, deutlich ungestörter und freier sein. Die neue Anordnung sieht jeweils eine Baum-Dreiergruppe von Amberbäumen an den Platzenden vor.
  • Der Verkehr wird durch den Wegfall der Umfahrungsmöglichkeit auf dem Platz anders geordnet und reduziert. Dies wird durch die Empfehlung aus der Arbeitsgruppe möglich gemacht, das Wollertor wieder für den Verkehr zu öffnen und dadurch mit einer Einbahnstraßenregelung das langsame Durchfahren des Platzes an der Süd-Ost-Seite zuzulassen. Nach dem Wollertor ist in den Wollanger das Abbiegen nur nach rechts zulässig. Damit werden Fahrzeuge, die vergeblich einen Parkplatz auf dem Marienplatz suchen, wieder auf die Tiefgarage Altstadt hingeführt.
  • Am Kopfende bei der Einfahrt auf den Platz (vor der Kreis- und Stadtbibliothek) entstehen acht Kurzzeitstellplätze, die um weitere zwölf Kurzzeitparkplätze entlang der künftigen Einbahnstraße sehr einzelhandelsnah ergänzt werden. Diese Parkplätze sind mit einer Länge von sechs Metern überaus nutzerfreundlich und liegen vor den Geschäften, in denen man sich normalerweise nicht lange aufhält, z.B. dem Bäcker, Metzger und der Apotheke. Gedacht sind alle Stellplätze nur für Kunden des Einzelhandels, die schnell einen kleinen Einkauf erledigen wollen oder in der Apotheke bzw. auch dem bücherladen etwas bestellen oder abholen wollen. Die zulässige Parkdauer wird vom Bauausschuss Ende des Jahres 2017 noch beschlossen werden, soll aber soweit möglich nicht länger als 15 Minuten sein. Für ausgedehnte Stadtbummel stehen nach wie vor die für zwei Stunden kostenlose Tiefgarage Zentrum, das Parkdeck am Auenweg oder die Kirtawiese als Parkmöglichkeit zur Verfügung.
  • Der Parkplatzsuchverkehr und der Zielverkehr auf der Einbahnstraße mit den begleitenden Kurzzeitparkplätzen werden von den ruhigeren Aufenthaltsflächen beidseits des Marienbrunnens durch Sitzgelegenheiten und eine illuminierte Lichtlinie abgegrenzt. So entstehen zwei attraktive Aufenthaltsflächen, die sowohl gastronomisch genutzt werden können aber auch interessant für das konsumfreie Verweilen auf dem Platz sein werden. Durch die deutliche Gliederung können alle Generationen und Altersgruppen vom Verkehr geschützt und ungefährdet verweilen und die Angebote des neuen Platzes nutzen.
  • Über den Marienplatz verteilte Fahrradbügel kommen den Bedürfnissen der Fahrradfahrer entgegen und befinden sich zumeist auch dort, wo sie gebraucht und folglich angenommen werden. Zugleich sind sie so positioniert, dass sie sich optisch passend in das neue Stadtbild einfügen.
  • Der Marienbrunnen wird um eine weitere erlebbare Wasserfläche am nordöstlichen Platzende ergänzt, die vor allem Kinder zum Spiel mit dem Wasser einladen soll. Die aktuelle Planung zeigt einen achteckigen Brunnen mit 45 cm hohem Becken, sozusagen in Sitzhöhe. Die Mariensäule bleibt erhalten.
  • Das Lichtkonzept wird begleitend zur Werkplanung im Herbst erstellt und berücksichtigt auf Wunsch des Stadtrats und der Arbeitsgruppe moderne Elemente der Beleuchtung des öffentlichen Raumes ebenso wie die Anforderungen an den Platz für Veranstaltungen aller Art, die vom Wochenmarkt über den Nikolausmarkt bis zum Dingfest reichen.
  • Die Details der Möblierung (Bänke, Fahrradständer, Papierkörbe, Schirme, gastronomische Bestuhlung im öffentlichen Raum usw.) müssen noch geklärt werden. In Kürze wird eine Bemusterungsfläche aufgebaut, bei der die verschiedenen Varianten begutachtet werden können.
  • Das Marktkonzept wird mit den Beschickern des Marktes gemeinsam und somit von Praktikern erstellt. Klar ist, dass dabei auch die Interessen des Einzelhandels und der Gastronomie einfließen müssen. Damit soll die zentrale Funktion des Wochenmarktes in der Altstadt weiter ausgebaut und gestärkt werden.

 

Es gibt also insgesamt noch sehr viel Arbeit, auch für die ehrenamtlichen und freiwilligen Mitglieder der Arbeitsgruppe.

Den Geschäften am Marienplatz stehen trotz erheblicher Bemühungen seitens der Stadt bei der Baustellenabwicklung harte Monate bevor. Dies geschieht in einer Zeit, in der der Einzelhandel generell über eine rückläufige Kundenfrequenz insbesondere in den Innenstädten klagt. Der Handelsverband Deutschland legt dazu klare Zahlen auf den Tisch, die von einer Frequenzeinbuße bis zu 20 % sprechen. Schuld daran ist nicht die mangelnde Qualität des Angebots, sondern der zunehmend wachsende Internethandel. Während der Einzelhandel im Durchschnitt aller Einzelhandelsgeschäfte in diesem Jahr von einem Plus von einem Prozent ausgeht (wohlgemerkt erreichen die Innenstädte dieses Plus nicht!), legt der Internethandel um elf Prozent zu. Allein diese Zahlen machen deutlich, dass die vorgesehene Lösung mit dem Angebot an Kurzzeitparkplätzen und der Zufahrt zum Marienplatz existenziell für den Einzelhandel am Marienplatz sein will. Eine Sperrung der Zufahrt – auch nur im unteren Teil des Platzes – würde zu einer massiven Bedrohung des Einzelhandelsstandortes am Marienplatz führen. Es wäre sicher fatal, würde man den Platz neu gestalten und aufwändig sanieren (Kosten von deutlich über drei Mio. Euro stehen im Raum) und nach Fertigstellung hätten wir einen Leerstand von Geschäften am Marienplatz zu beklagen.

Die eben angesprochene Situation kommt auch im detailliert erarbeiteten Zeitplan deutlich zum Ausdruck. Dieser geht davon aus, dass immer nur die unbedingt notwendigen Behinderungen akzeptiert werden, aber die Zugänglichkeit zum Platz und vor allem zum ansässigen Gewerbe immer möglich sein wird.

 

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